Kindesmisshandlung in Deutschland. Kindesmisshandlung ist ein schwerwiegendes gesellschaftliches Problem. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamtes zeigt, wie viele Fälle von Kindesmisshandlung in Deutschland polizeilich bekannt werden.
Zahlen aus dem Jahr 2022 Im Jahr 2022 wurden bundesweit 3.516 Fälle von Kindesmisshandlung nach § 225 StGB registriert. Damit lag die Zahl nur geringfügig unter dem Vorjahreswert von 3.599 Fällen.
Insgesamt wurden 4.376 Opfer erfasst. Davon waren 56,5 Prozent männlich und 43,5 Prozent weiblich. Die polizeiliche Aufklärungsquote lag bei 96,9 Prozent.
Für Kinder unter 14 Jahren weist die Statistik eine Opfergefährdungszahl von 40,3 Opfern je 100.000 Kinder aus.
Wer sind die Tatverdächtigen? 2022 wurden insgesamt 3.682 Tatverdächtige erfasst. Davon waren 54,2 Prozent männlich und 45,8 Prozent weiblich. Die Tatverdächtigen kamen laut Statistik aus unterschiedlichen sozialen Milieus.
Besonders deutlich wird, dass Kindesmisshandlung häufig im sozialen und familiären Umfeld stattfindet. Von den 4.376 erfassten Opfern waren:
- 3.633 mit dem Tatverdächtigen verwandt,
- 108 mit ihm befreundet oder bekannt,
- 451 standen in einer formellen sozialen Beziehung zum Tatverdächtigen, beispielsweise in einer Institution oder Organisation,
- 79 hatten keine vorherige Beziehung zum Tatverdächtigen,
- bei 105 Fällen war die Beziehung ungeklärt.
Die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik kann nur die Fälle abbilden, die den Behörden bekannt werden. Gerade bei Kindesmisshandlung ist daher von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen. Kinder sind häufig von den Erwachsenen abhängig, die sie misshandeln. Angst, Scham, Loyalität gegenüber Familienangehörigen oder die Sorge vor den Folgen einer Offenlegung können dazu führen, dass Betroffene schweigen und keine Hilfe suchen.
Deshalb darf die Zahl der polizeilich registrierten Fälle nicht mit der tatsächlichen Zahl der Kindesmisshandlungen gleichgesetzt werden.
Hinsehen und handeln. Kindesmisshandlung kann körperliche und seelische Folgen haben und die Entwicklung eines Kindes nachhaltig beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, aufmerksam zu sein, Anzeichen ernst zu nehmen und Kindern Möglichkeiten zu geben, über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Kinder haben ein Recht auf Schutz, Sicherheit und ein gewaltfreies Aufwachsen.
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2022, Bundeskriminalamt |